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(Ein-)Geständnis: Warum ich dem Alkohol Lebewohl gesagt habe und jetzt alkoholfrei lebe

Ein Leben ohne Alkohol geht – und es ist wundervoll. Warum der alkoholfreie Lebensweg aber nicht immer nur rosarot ist, liest du in diesem Artikel.

Einen Schritt zurücktreten, alles beobachten, den eigenen Weg gehen – so leicht kann Alkoholfreiheit gehen. (Foto: Sandra Ardizzone)
Einen Schritt zurücktreten, beobachten, den eigenen Weg gehen. (Foto: Andrea Bucher)


Hallo, ich heisse Maria, und ich trinke nicht.


Wow. Dass ich das mal sagen würde. Ich hatte es nie für möglich gehalten. Warum auch? Alkohol trinken, das ist doch was vom Besten, das es gibt. Oder zumindest etwas vom Sinnvollsten. Wie sonst soll man das Leben ertragen? Ohne Alkohol macht es keinen Spass, ist Urlaub kein Urlaub und ohne Alkohol würde so viel Genuss im Leben verloren gehen.


Rotwein, Champagner, Rosé. Nein! Ein Leben ohne Alkohol: Nicht für mich.


Hallo, ich heisse Maria, und ich trinke nicht. Das ist einer der besten Sätze, die ich je in meinem Leben gesagt habe.


Warum? Weil ich ihn erst nie für möglich gehalten habe – und mich dann vom Gegenteil überzeugte. Und: Weil Alkoholfreiheit meine Superkraft ist. Und ich liebe es, diese Superkraft jeden Tag einzusetzen.


In diesem Text geht es darum, wie ich von der Alkoholliebhaberin zur Nicht-Trinkerin wurde. Wie ich von der Person mit dem problematischen Trinkverhalten zu jener wurde, die Alkoholfreiheit chic machen will. Die mit ihrem Weg sogar Geld verdient. Hätte ich mir das vor zwei Jahren erzählt, hätte ich mich ausgelacht. Doch es kam anders.


So viel vorweg: Erst kam das Aufhören, dann die Erkenntnis.


Wie kam es denn anders?


Fangen wir bei meinen Sorgen um meine Gesundheit an (Spoiler: Die Verbesserung deiner Gesundheit, die du durch deine Alkoholfreiheit erzielst, macht nur einen kleinen Teil all jener Verbesserungen aus, die du spüren wirst).


Jede, die gerne und regelmässig trinkt, denkt hin und wieder über ihre Gesundheit nach. Tut das meinem Körper gut, was ich da immer wieder in mich reinschütte? Ich habe mich das immer wieder gefragt, mindestens nach jedem weiteren Absturz. Meine Antwort war immer die gleiche: Nein, das tut meinem Körper nicht gut. Überhaupt nicht. Und darum will ich etwas ändern. Ich will weniger trinken.


Also versuchte ich, weniger zu trinken.


Und dann kam der nächste Anlass, um mal wieder was zu trinken – nur ein Glas! – und natürlich blieb es nicht bei diesem einen Glas. In wenigen Schlucken gingen meine Vorsätze den Bach runter. Mein Verstand war ausgeschaltet. Bis zum nächsten Tag, als ich mich elend fühlte. Und mich wieder fragte: Tut das meinem Körper gut, was ich da immer wieder in mich reinschütte? Zur Hölle, nein! Ich wollte weniger trinken.


Bis zum nächsten Glas. Ein ewiger Kreislauf.


Soweit, so normal (für Grauzonen-Trinkerinnen – was das ist, liest du hier). Was bei Menschen mit problematischem Trinkverhalten auch häufig vorkommt: Sie wissen, dass sie ohne Alkohol besser dran wären. Und dass sie sich irgendwann ernsthaft Gedanken über ihr Konsumverhalten machen sollten.


Ich wollte es irgendwann mal ausprobieren, das Leben ohne Alkohol, und schauen, ob ich mich tatsächlich besser fühlen würde, wenn ich für längere Zeit vom Alkohol Pause mache. Pausen machte ich immer mal wieder, das längste waren zweieinhalb Monate. Das konnte ich, das wusste ich, und es fühlte sich auch ganz okay an. Dieses Mal sollte es aber etwas Längerfristiges werden. Etwas, das mich fordern würde.


Doch: Ich forderte mich nie heraus. Zu sehr mochte ich den Alkohol. Und zusehends hasste ich ihn. Weil er mir zusehends mehr nahm als er mir gab.


Was ich mir wünschte: Nicht mehr wollen wollen.


Ich setzte mir viele Trinkregeln, ich befolgte sie selten. Nur kleine Biere bestellen, zu jedem Glas Wein ein Glas Wasser, nach dem Abendessen nur noch Wasser, keine Schnäpse. Nichts funktionierte. Oder zumindest nur selten. Dann, Ende 2020, stürzte ich zwei Mal in einem Monat ab. Filmrisse, tagelange Kater, depressive Nachwehen.


Warum kann ich nicht einfach nicht mehr wollen wollen?


Ich hatte es satt.


Ich war müde. Ja, ich mochte den Alkohol. Aber so, wie ich ihn in den letzten Jahren kennenlernte, hasste ich ihn wirklich. Und weil ich ihn fast nur noch so erlebte, hasste ich ihn eigentlich nur noch.


Also: Jetzt oder nie. Ich wollte die Alkoholfreiheit ausprobieren. Mit Betonung auf ausprobieren.


Ich setzte mir ein Jahr ohne Alkohol zum Ziel. Das ist eine lange Zeit, 12 Monate konkret, doch ich wusste, dass sich nur so etwas verändern würde. Nur so würde ich ein Leben austesten können, das ganz ohne den Rausch auskommt. Ich wollte meinem Körper die Chance geben, sich zu erholen. Die Freiheit zu riechen. Um dann frei entscheiden zu können, wie es nach dem alkoholfreien Jahr weitergehen sollte.


In einem Jahr hat man alle Situationen durch, in denen man normalerweise immer und viel trinkt: Geburtstag, Weihnachten, Urlaube, Partys. Wenn ich das geschafft habe, dann habe ich mein Wollen vielleicht in die Knie zwingen können. Doch: 12 Monate Abstinenz, Verzicht, Genussfreiheit liegen erst noch vor mir. Diese Aussichten schienen mir schwer und neblig. Ich hatte keine Bock auf diesen Kampf, wie ich ihn mir vorstellte, alles war ein einziges Müssen. Ein bisschen fühlte es sich auch wie eine Strafe an: Wer seinen Konsum nicht im Griff hat, muss nun mal die Konsequenzen tragen. Here I am.


Doch es kam anders.


Schon im ersten Monat war ich total von der Rolle. Weil ich mich so viel freier fühlte. Dass ich nicht mehr darüber nachdenken musste, wann und wie viel ich trinken würde, schaffte unglaublich viel Raum. Raum für die unglaublichsten Dinge. Innere Ruhe, Zuversicht und Lebendigkeit zum Beispiel. Die pure Motivation durchflutete mich. Innerhalb der ersten sechs alkoholfreien Monate veränderte sich meine gesamte Denkweise in Bezug auf Alkohol und darauf, was ich noch alles tun will in meinem Leben (wie ich jahrelang meinen Drang nach mehr unterdrückte, liest du hier) – zum ausgesprochen Positiven hin.


Was heisst das im Umkehrschluss? Dass ich verdammt unfrei war, als ich noch trank.


Als ich aufhörte, Alkohol zu trinken, realisierte ich, wie fest mich der Alkohol im Griff hatte. Jahrelang.


Ich hatte mich selbst belogen. Jahrelang.


Mir ging es schlecht, und ich nahm es in Kauf. Jahrelang.


Das zu realisieren war wie ein Schlag ins Gesicht. Nein, es war wie eine ganze Tracht Prügel. Ich steckte sie demütig ein.


Es heisst, das Einfachste am Aufhören sei das Aufhören. Erst nach dem Aufhören fängt die ganze Arbeit an. Dem stimme ich zu. Aber: Diese Arbeit ist zwar hart, aber die Belohnung kassierst du sofort. Sozusagen bar auf die Hand. Du bekommst einen Wahnsinns-Lohn. Einen Lohn in der Höhe, wie du ihn dir nie erträumt hättest. Denn plötzlich war es soweit: Ich wollte nicht mehr trinken. Ich musste nicht mehr trinken. Ich war angekommen.


Für das «nicht mehr wollen wollen» arbeitest du. Und zwar ausschliesslich an dir selbst.


Ich war unglaublich motiviert, diese Arbeit zu erledigen. Je mehr ich motiviert war, desto mehr arbeitete ich – und desto mehr Lohn in Form von psychischen und physischen Verbesserungen verdiente ich mir. Und je besser es mir ging, desto motivierter war ich. Und desto mehr arbeitete ich...


Den Alkohol aufzugeben war die beste Entscheidung meines Lebens. Einfach alles hat sich mit meiner Alkoholfreiheit zum Besseren verändert.


Was heisst das für dich?


Auch du musst nicht für immer trinken wollen. Auch du kannst nicht mehr wollen wollen. Alkoholfrei kann auch zu deiner neuen Identität werden, zu deiner neuen Überzeugung. Du kannst alkoholfrei chic sein, selbstbewusst, gesund, fit und mit Superkräften ausgestattet, die du niemals für möglich gehalten hättest. Und du musst auf nichts verzichten, das darfst du mir, der «Genusstrinkerin», gerne glauben. Das Leben hält auch jenseits des Alkohols so unendlich viel Genuss für dich bereit.


Na, klingt das nicht verlockend?



Danke, dass du bis hierhin gelesen hast.

Alles Liebe,

deine Frau Brehmer



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